Ich schäme mich, eine Frau zu sein

Sonntag, 30. August 2009

Es gibt Wochenenden, da würde ich mir im Hotel am liebsten die Hose ausstopfen, die Brust flachbinden und im Anzug mit flachen Schuhen einfach versuchen zu leugnen, dass ich eine Frau bin. Was wir gesundheitsbewusste Wellnesshotel Mitarbeiterinnen an manchen Wochenenden mit Frauen erleben, lässt uns wirklich im Erdboden versinken. Da wird uns auf einmal deutlich, warum es so viele Scheidungen gibt, warum Männer im Affekt ausrasten.

Frauen sind Biester, die einen richtig fertig machen können. Eine Erkenntnis, die mich und das ganze Wellnesshotel Team am Wochenende beschäftigt hat.
Damit mein Artikel nicht zu deutlich wird und somit auch nicht von meinem Mann zensiert - hoffentlich:-) - habe ich mir erst mal meine Lieblingsrigatoni und
zwei Folgen von Sex and the City gegönnt. So, jetzt kann ich bestimmt etwas sachlicher schreiben.
Vorweg sei zu sagen:
Es ist keine Frage, es gibt liebe und nette Frauen.
Das sind bevorzugt Frauen, die alleine oder zu zweit mit Freundin oder Mann reisen oder
allenfalls in kleinen bis mittelgroßen Gruppen, die sich untereinander blendend verstehen.
Denn diese haben in der Regel schon über den Tellerrand geschaut, sind berufstätige und/oder zufriedene Mütter,
die regelmäßig Kuschelstunden mit ihrem Partner, Hund oder wem auch immer genießen. Sie haben gut erzogene Kinder.
Sie besitzen genug Intelligenz und Weltsicht, um das ausgezeichnete Preis-Leistungsverhältnis unseres Hotels
und der Beautyfarm zu schätzen.
Sie sind Vollblutfrauen, jeder Altersklasse, die es nicht nötig haben, einmal im Wellnesshotel
die “Sau” rauszulassen und das ganze Hotel zu terrorisieren.
Es sind Frauen wie wir, die Mitarbeiterinnen des Vital- & Wellnesshotel Zum Kurfürsten.
Die ein Lachen aus dem Ärmel schütteln, einfach weil es ständig in ihnen schlummert.
Die intelligent und wortgewandt sind
Die Kompetenz ohne Arroganz mit ganz viel Liebe zu den Menschen vermitteln.
Die ein großes Kind in sich tragen und dafür von männlichen wie weiblichen
Gästen gleichermaßen geliebt werden.
Und weil wir diese Frauengruppen jubelnd empfangen werden,
können die künftig an der Verlosung unserer Beauty-Wunder-Tüten
teilnehmen.

Und wenn sie kein Los kriegen, sollten sie mal einen Spaziergang durch
den Wald machen, ganz tief in sich gehen und sich mal überlegen,
warum gerade sie kein Los bekommen haben.

Das hat uns dazu bewegt:
Wir nehmen schon lange keine Gruppen mit mehr als acht Personen an.
Nun jedoch, sind wir dazu übergegangen jede einzelne Gruppenanfrage
von der Geschäftsleitung genehmigen zu lassen.
Denn Frauen in Gruppen können der Horror sein, wenn sie nicht zu den oben genannten Menschen gehören. Schon der ganze Schwall der Frustration, der beim Betreten des Hotels durch die kreischenden und durchdringenden Stimmen vermittelt wird, lässt uns oft frösteln. Häufig schon mit nicht unerheblichem Alkoholkonsum zu uns gereist, wird dann erstmal beim Check In überhaupt nicht zugehört. Munter durcheinander gequatscht, um sich dann abends im Restaurant beschweren zu können, dass man ja über die Menüwahl gar nicht aufgeklärt wurde. Kein Wunder, wenn man ständig untereinander palavert ohne zuzuhören. Die Beautybehandlungen sollen bitte für alle Personen am Besten im gleichen Raum genau zeitgleich statt finden. Eine schlichte Unmöglichkeit in der Planung, die für diese Frauengruppen schon kompliziert genug ist. Denn es ist natürlich sehr schwierig, sich bei den ca. 100 Behandlungen unseres Wellnesshotel und der Beautyfarm endlich mal für eine zu entscheiden. Vor allem, wenn man ansonsten nie Entscheidungen trifft. Dann darf am Besten keine Frau der Gruppe auch nur eine Sekunde allein sein. Denn nur gemeinsam ist frau stark. Und vor allem, allein kann man ja nicht lästern über Männer, andere Frauen, Hotelmitarbeiter und überhaupt alles. Es spielt keine Rolle, dass man bei der Begrüßung zum Beispiel von unserer Frau Zornemann verbal in den Arm genommen wird. Denn unsere kleine Diva kann gar nicht anders, als gut gelaunt und lieb zu sein. Nein, die kriegt dann auf süffisante Art noch erzählt, warum es denn hier nur ein Gravity-Wasser gibt. Wo anders hätte man einen Sekt bekommen. Sorry, Gravity Wasser ist teurer in der Herstellung als viele Sektsorten. Und außerdem gesund, denn Alkohol trägt mit zur Übersäuerung des Körpers bei. Und wir sind ein Wellness- und Gesundheitshotel und sehen daher unsere Verantwortung in der Gesundheit der Gäste. Das Oshibori geht in den ersten Handygesprächen mit überforderten Ehemännern und kreischenden Kindern völlig unter. Dann geht es aufs Zimmer. Gebucht wurde natürlich die günstigste Kategorie, denn mehr konnte man sich nicht leisten. Erwartet wird aber eine Spa-Suite. Nun schnell in den Bademantel und erstmal den Wellnessbereich aufmischen. Mal schauen, was es da alles gratis gibt. Ah, Äpfel und Gravity Wasser. .... nach 10 Minuten nicht mehr vorhanden. Tee nach der Behandlung zum Entschlacken. Super. Dann kann frau abends wieder richtig zuschlagen. Das Präsent nach der Behandlung und das Leckerli werden gerne mitgenommen. Um dann zur Rezeption hochzurennen und sich über den Mundschutz, die Handschuhe und die Plastikschürze bei der Pediküre zu beschweren. Da kann ich nur sagen, unsere Kosmetikerinnen hätten am liebsten ein Ganzkörperkondom angezogen. Denn einmal im Jahr Füße pflegen ist schon eklig. Auch eine Gesichtsbehandlung bringt nichts, wenn man sich nicht an die einfachsten Lebens- und Ernährungsregeln hält.
Wir können diesen ganzen geballten weiblichen Frust, den diese Frauengruppen übermitteln, genau definieren, psychologisch und aus Sicht der TCM. Denn dazu sind wir auch ausgebildet.Wir könnten vielleicht auch Verständnis aufbringen, wenn frau denn sich bessern wollte.
Aber solch aggressive Frauengruppen sind es nicht wert, dass wir unsere Seele und unser Herz öffnen.
Insofern ist unser Beauty-Kompetenzteam und das TCM-Team erst recht nach so einem Wochenende frustriert.
Denn für dieses Niveau sind unsere Heilpraktiker, TCM-Spezialisten und Beauty Professionals einfach zu gut.
Wir haben sogleich ein Meeting einberufen und festgestellt:
Für uns sind nur kleine Frauengruppen interessant.
Diese begrüßen wir auch gerne, nachdem wir vorher
genau geprüft haben, ob sie zu unserem Hotel passen und
sich bei uns wohl fühlen würden.
So, jetzt trinke ich noch einen Chrysanthementee, um meine
Leber von dem ganzen Ärger des Wochenendes rein
zu waschen.
Dann meditiere ich noch ein bißchen und bin so glänzend
vorbereitet für die heute angereisten neunzig Gäste.
Denn wir sind ausgebucht und das ohne Gruppen!



Kommentare: (abonnieren per RSS)


hahaha…

absolut krass…
...freu mich schon wieder auf Donnerstag ...

Anke  am  31. August 2009



oje, das klingt total anstrengend… und ich kanns echt verstehen! das fängt schon im teenie-alter an, so ne mädelsclique im café hat mir teilweise komplett den arbeitstag versaut. wie die mutter, so die tochter… hoffe die töchter bleiben euch erspart!! und die gruppen mütter jetzt auch :)

anja  am  03. September 2009



Nö, ich schäme mich nicht! :)

Jenny  am  28. September 2009



Sie haben den Beruf verfehlt. Sie sollten mit Dingen arbeiten, nicht mit Menschen.
Da Sie von Ihren Kundinnen Anpassung an Ihre Ansprüche erwarten und ihnen “ihr Herz und ihre Seele öffnen” wollen, habe Sie wohl Abgrenzungsprobleme. Ich empfehle Ihrem Team eine Sitzung mit einem Coach, damit Sie Ihren Umgang mit den Gästen professionalisieren können. Kleiner Tipp: Stewardessen sind ein gutes Vorbild.
Und Ihr Wellness-Hotel wird für mich kein Urlaubsziel sein.

Hanna Blaurick  am  16. November 2009



Wir schreiben den 16.11.2009 und eigentlich wollte ich gerade ins Bett gehen weil mein Tag morgen wieder spannend wird….  doch da lese ich hier einen Kommetar den ich meinen Damen vom Wellnessteam gerne vorlesen möchte. Denn meine lieben Damen sind morgen sicher wieder wunderbar entspannt, werden all die liebevollen Massagen und Behandlungen mit Hingabe machen. Wir vom Wellnessteam sind für unsere Gäste da die es zu schätzen wissen was es heißt: Freundlich. Liebenswürdig. Kompetent und jederzeit hilfsbereit zu sein. Wir arbeiten mit Herz und Verstand und liebevollen Händen! Wir lieben unseren Beruf und machen all das gerne was zur Entspannung dient damit es ihnen zuhause bei Mann und Kind und im Job wieder gut geht. Und wer das nicht zuschätzen weiß, nun dem ist sicher nur mit einer Couch bei Chips und Coca Cola zu helfen. Ich glaube ich trinke noch einen Entspannungstee und werde genüßlich einen Kommetar abwarten oder doch lieber ins Bett da mein Tag wunderbar schön werden wird. Mit all den lieben Gästen die wir gerade und immer da haben.

claudia  am  16. November 2009



Wünschen wir uns nicht alle,
bei Stress im Job, in der Familie, bei Krankheit
und Sorgen, einfach irgendwo eine Oase
des Friedens. Oder nicht?
Und das möchte ich mit unserem Hotel
für unsere Gäste und auch für unsere Mitarbeiter sein.

Ich finde es einfach nur schön. Wie so ein Artikel aus dem tatsächlichen Leben doch zu kontroversen Diskussionen führt.

Das tolle ist, das Kritikerinnen tatsächlich nicht erkennen, das dieser Artikel nicht überspitzt ist, sondern die Beschreibung eines
ganz normalen Wochenendes wie wir es vor einigen Monaten tatsächlich noch hatten.

Mit dem Ergebnis, das mehrere Mitarbeiterinnen
abends weinend in meinem Büro gesessen haben, weil sie einfach mit solchen Menschen nicht umgehen können.
Und den Beruf eines heilenden Therapeuten mit einer Stewardess zu vergleichen ist schon etwas absurd.
Und ich wüsste nicht, das Hotelmitarbeiter neuerdings auch Psychiater sein müssen.
Welche Frauen ich mit dem Artikel meine? Schauen Sie sich mal die Super Nanny an. Eine Folge reicht, um jeden vernünftigen Menschen abzuschrecken. Kreischende schreiende Frauen, die einen Fehler nach dem anderen machen und sich dabei völlig im Recht fühlen.

Zum Glück haben wir, seit dem dieser Artikel erschienen ist, 100 % total tolle Gäste und sind im Jahresdurchschnitt zu 95% belegt.
Das bedeutet für mich, der Artikel hat genau das erreicht hat, was ich wollte. Frauen, die sich darin negativ wieder finden, kommen nicht zu uns, da sie erkennen, das wir sie in der Tat nicht wollen. Und Frauen, die sich darin im positiven Teil wieder finden, kommen zu uns und finden den Artikel einfach nur toll.
Diese Resonanz bestätigt mich und mein Team darin, das wir alles richtig machen. Denn nach wie vor sind wir auf Medical ausgerichtet, das bedeutet, wir haben im TCM-Bereich wirklich kranke Menschen mit Krebs, mit Burnout, mit chronischen Krankheiten, die nicht mehr können. Und im Bereich Beauty Menschen, die wirkliche Hilfe bei Hauterkrankungen suchen. Im Bereich Wellness, Menschen, die wirklich gestresst sind und Entspannung und Loslassen suchen.
Und durch diesen Artikel habe ich letzten Endes erreicht, das wir endlich diese Wellnessnomaden, die jedes Jahr ein anderes Hotel terrorisieren, los sind und uns auf Menschen konzentrieren können, die wirklich Hilfe benötigen und einen wirklichen Ruhepol und Neubeginn suchen.
Denn darin sehe ich unsere Berufung:
Für den Gast da zu sein, ihn zu umsorgen und ihn mit Worten oder auch mal tatsächlich zu umarmen.

Carina Laux  am  18. November 2009



Sie spricht mir aus der Seele!! Einfach nur toll gesagt. Es ist wie es ist: Wir leben unsere Berufung mit Leib und Seele. Wir haben unsere Energien positiv gestimmt und geben diese weiter an den Gast der nach einem Hausbrand schnellsten handeln musste und völlig gestresst bei uns eincheckte, sein Handy 1000000 Anrufe aufweist oder jemand der einfach nur Ruhe suchte um seine Energien aufzutanken. Selbst jemand der kein Wort deutsch versteht (ich kein Französisch) auf alle Fälle sich fallen lassen kann. WEIL: Wir haben in unserem Team nur Menschen mit Herz, Verstand und ganz vielllllllllllll Gefühl in den Händen und im Herzen!! Und wer sich jetzt von uns überzeugen möchte ist herzlich willkommen jederzeit. LG Claudia

claudia  am  18. November 2009



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Das finde ich doch mal auf den Punkt gebracht. Kann ich mich selbst entfalten und bin ganz eins mit mir, habe ich gute Laune für gemeinsame Höhen und genug Kraft für die Tiefen.

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der lasse sich begraben.
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Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge einen Schatten.

Das ganze Hotel hat sich schief gelacht
über diesen Ausspruch von Karl Kraus.
Also wundern Sie sich nicht, wenn Sie
uns mal besuchen und wir haben alle
Schräglage.

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Zwei Möglichkeiten

Es gibt zwei Arten, sein Leben zu leben: entweder so, als wäre nichts ein Wunder, oder so, als wäre alles eines.

Albert Einstein glaubt an Letzteres.
Macht auch Sinn, denn so ist das
Leben doch viel lustiger und spannender.
Nichts erwarten und doch alles bekommen.

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