Ein phantastisches Erlebnis

Montag, 27. September 2010

Oder die Glöckchenfamilie oder wie mein Mann Gästen erzählte, "Das war eine Party.". Die Rede ist von der Geburt unseres Sohnes, die wirklich super lustig war. Lustig? Eine Geburt? Ja, ganz genau. Viel zu viele Frauen machen aus dem Thema Geburt einen so großen Akt des Schmerzes und der angeblichen Selbstaufopferung. Ich finde, es ist mal Zeit, eine andere Geschichte dazu zu erzählen. Natürlich eine wahre.

Baby noch im Bauch
Baby noch im Bauch

Denn gerade jungen Mädels sollte die Angst davor genommen werden. Vielleicht kommen dann wieder mehr Kinder zur Welt. Beim Brainstorming zum Thema Geburt im Geburtsvorbereitungskurs war ich die Einzige, der “Schön” als erstes in den Sinn kam. (PS: Ich bin ab diesem zweiten Mal nicht mehr hingegangen, war mir alles zu negativ und voll Schmerz.) Schön vor allem, weil ich den kleinen Menschen, den ich 40 Wochen in mir getragen und gefühlt habe, endlich in den Armen halten kann. Mit ihm schmusen kann. Ihm in die Augen schauen kann. Richtig für ihn da sein kann. Mit der Einstellung habe ich mich auch auf die Geburt gefreut.
Die verlief dann auch wirklich genial. Ich war in der Nacht schon unruhig und hatte verstärkt Wehen. Am Abend war ich noch zwei Stunden beim Tierarzt und habe meinen Hund gekrault, während er kastriert wurde. Daher bin ich sowieso wach geblieben, da es ihm noch nicht so gut ging. Am nächsten Morgen Blasensprung, Anruf im Krankenhaus, vorbeikommen. Es war noch genug Zeit, in Ruhe zu frühstücken, sich zu duschen und ordentlich fertig zu machen. Nichts mit diesen ganzen hektischen Szenen aus Film und Fernseh.
Im Krankenhaus haben sie mich dabehalten. Mein Mann und ich konnten noch gemeinsam Mittag essen. Dann habe ich ihn erstmal heimgeschickt. Die Hebamme hat mir Globoli gegeben, um den Geburtsvorgang ein bisschen zu beschleunigen und viel Bewegung verordnet. Nur Treppen sollte ich nicht mehr hochsteigen. Nur noch runtergehen. Im Krankenhaus war es mir zu langweilig, also bin ich in Traben-Trarbach noch an der Mosel entlang spaziert. Zwischendurch nass geworden, denn es fing an zu regnen. Dann habe ich mich gemütlich in ein Cafe im Ort gesetzt und noch einen Cappuccino getrunken. So um 15.30 Uhr wurden die Wehen dabei dann stärker. Also habe ich mich wieder ins Krankenhaus gemacht. Um das Ganze noch ein bisschen zu forcieren gabs eine Bauchmassage mit einem stimulierenden Öl aus Rosmarin, Ingwer und anderen Kräutern. Dann ging alles ganz schnell. Um 16.30 Uhr war ich im Kreißsaal. Die Wehen wurden stärker und natürlich haben sie weh getan. Aber die Freude hat alles überwiegt. Zum Glück gibt es Mittel, die es uns Frauen erleichtern. Nach zwei Fehlgeburten und den damit verbundenen OP’s hatte ich extreme Schmerzen. Dafür gibt es Buscopan. Davon wurde ich so high, dass ich nur noch kichern konnte. Lag wahrscheinlich daran, dass ich keine Tabletten, Alkohol, Drogen und ähnliches gewohnt bin. Denn ich lasse mich schon seit Jahren nur mit Kräutern und Akupunktur der TCM behandeln. Und lasse die Ernährung der 5-Elemente meine Medizin sein.
Ich habe dann der Hebamme von der Kastration meines Hundes erzählt und was ich alles am Tag vorher noch erledigt habe. Wie gesagt, ich war durch das ganze Glück und das Buscopan wie im Vollrausch und hammermäßig lustig. Mittlerweile war dann auch mein Mann da. Das war gut zum Händequetschen. Er war total begeistert, wie locker es bei dieser Geburt zuging. Einfach in Alltagskleidung mit Müsliriegeln, Cola (mein Kreislauf hat irgendwann versagt) und Wasser lachend auf den Kleinen warten. Zwischen durch ein paar Wehen, etwas Rollen auf dem Gymnastikball. Dann ging es schon nach kurzer Zeit richtig los. Die PDA hat die Rückenschmerzen ausgeschaltet. Die Wehenschmerzen blieben natürlich. Aber es waren süße Schmerzen. Frau muss sich halt ganz locker lassen. Für Schamgefühle ist hier einfach kein Platz. Wie sagte meine Hebamme so rundheraus, “Das ist, als ob man eine Melone kackt.”. Froh war ich, dass mein Mann mir beim Atmen half. Ich hätte das glatt vergessen und habe immer wieder die Luft angehalten. Den Dammschnitt merkt man ganz ehrlich, ich schwöre, gar nicht. Als der Arzt dann meinem Mann die Plazenta zeigte, kam von mir nur die Bemerkung: “Wie witzig, gestern hat mir noch der Tierarzt die Hoden meines Hundes erklärt und gemeint, er sei kurz vorher noch sexuell aktiv gewesen, da die so gut durchblutet waren.” Der Arzt stutzte dann und ich erzählte beim Nähen von dem Abnehmen der Glöckchen unseres Westies Tommy. Das ganze war begleitet von viel Gelächter. In dem Krankenhaus sind wir seitdem bekannt als die Glöckchenfamilie.

Baby noch im Bauch
Baby noch im Bauch
Der kleine Kurfürst direkt nach der Geburt
Der kleine Kurfürst direkt nach der Geburt
Die Kurfürsten Familie im Kreißsaal
Die Kurfürsten Familie im Kreißsaal
# Carina am 27. September 2010 um 01:56 Uhr in Lifestyle und Leben
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